Blockseminar "Der Künstler als Anatomiker": 9., 10. und 11. Juni 2017

Blockseminar: Der Künstler als Anatomiker. Die Bildsprache der Lebendabgüsse und Leichenabdrücke
Ileana Pascalau

9., 10., und 11. Juni 2017 (Beginn: 10:00 Uhr)

Seminarraum IKDM / A.01.190 Raumfinder

Beschreibung:

Ab dem 17. Jahrhundert wird die Technik des Abdrucks immer häufiger auch in der Medizinwissenschaft eingesetzt. Die menschliche Anatomie erreicht durch die Keroplastik eine hohe Sichtbarkeit sowie einen naturgetreuen, dreidimensionalen Ausdruck. Es entsteht eine neue Bildgattung, die eine eigenständige Ästhetik jenseits der didaktischen Funktion entwickelt, wie zum Beispiel in den anatomischen Wachsmodellen von Anna Morandi Manzolini oder Clemente Susini. Weiterhin begegnen wir dem Lebendabguss als einem dermatologischen Medium im Paris des 19. Jahrhunderts, wo die erste Wachsmoulagensammlung von Hautkrankheiten entsteht. Diese Gattungen wurden von der Kunstgeschichte lange Zeit marginalisiert. Erst in den Studien von Hans Belting und Georges Didi-Huberman werden Abdrücke und medizinische Moulagen nicht nur als Gegenstände einer Geschichte der Skulptur aufgenommen, sondern auch als Schlüsselelemente eines bildwissenschaftlichen Diskurses betrachtet. Im Seminar soll das Verhältnis zwischen der Bildenden Kunst und der Medizin anhand von paradigmatischen Beispiele betrachtet werden. Wie verhalten sich künstlerische Intention und wissenschaftliche Funktion zueinander? In welcher Beziehung stehen diese Bildgattungen zu dem kunsttheoretischen und literarischen Diskurs ihrer Zeit? Ein besonderes Anliegen des Seminars wird es sein, die Aktualität des Themas in der gegenwärtigen Kunst zu verfolgen, wo das Beispiel der mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles zu einer Reflexion über das Wechselverhältnis zwischen Kunst und Forensik, Künstler und Gerichtsmediziner, Atelier und Leichenhaus einladen soll.

• Teilnahmevoraussetzung: Bereitschaft zur Diskussion

• Textausschnitte zu bildtheoretischen Fragestellungen werden gemeinsam im Seminar erarbeit

• Visuelle Präsentationen von aktuellen künstlerischen Positionen die mit dem Thema in Verbindung stehen werden von den Studierenden erwartet. Die Form dieser Präsentation wird in der Vorbesprechung (siehe Termin) oder per E-mail bestimmt.

Empfohlene Lektüre: Georges Didi-Huberman, Ähnlichkeit und Berührung. Dumont, München 1999; Ders., Venus öffnen. Nacktheit, Traum, Grausamkeit. Diaphanes, Zürich 2006.

17. Mai 2017 um 11:22 Uhr
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